Saison 22|23 ›AUFBRUCH‹

Liebes Publikum,

 

eine Saison mit dem Thema ›Aufbruch‹ inmitten einer von Krisen geschüttelten Zeit: zunächst einmal ist das für uns als Münchener Kammerorchester ganz strukturell gemeint. Ab der nächsten Saison wagen wir einen ›Aufbruch‹. Anstelle eines Chefdirigenten werden wir mit drei langfristig an uns gebundenen Partnern – Associated Conductors – zusammenarbeiten, die alle drei von einem unterschiedlichen Ausgangspunkt in das Orchester hineinwirken.

Jörg Widmann

Jörg Widmann

Den ersten im Bunde, Jörg Widmann, in München vorzustellen wäre so etwas wie Eulen nach Athen tragen, aber für uns ist es nur eine logische wie folgerichtige Zusammenarbeit. 1997 schon haben wir unsere erste Tournee mit ihm und seinem Violinkonzert ›Insel der Sirenen‹ unternommen, und seitdem ist Widmann – bei seinem ganzen atemberaubenden musikalischen Werdegang – ein echter Freund des Orchesters geblieben. In den letzten Jahren hat sich diese Zusammenarbeit auf wunderbare Weise erneuert und wird nun nochmals intensiviert, u.a. auch mit einem Abokonzert zu Widmanns 50. Geburtstag im Juni 2023.

Einen der kompetentesten Anwälte für Alte Musik, Enrico Onofri, konnten wir in einem Filmprojekt während des Lockdowns endlich direkt kennenlernen, und sofort entstand der Wunsch nach einer engeren künstlerischen Verbindung. Mit ihm werden wir einen Blick von Mozart – sicher ein Schwerpunkt des gemeinsamen Projekts – bis hin zu Berio und Ligeti werfen. Der legendäre ehemalige Konzertmeister des Barockensembles ›Il Giardino Armonico‹ wird mit uns dieser Entwicklung durch die Jahrhunderte aus historischer Sicht nachspüren.

Enrico Onofri

Enrico Onofri

Bas Wiegers

Bas Wiegers

 

Der Dirigent Bas Wiegers wird sich der Klassik wiederum vom anderen Ende der Zeitskala nähern. Auch er kommt als Geiger von der historischen Aufführungspraxis. Aus diesem Esprit heraus macht der mittlerweile etablierte Dirigent insbesondere die Gegenwartsmusik scheinbar mühelos erlebbar. Nicht zuletzt deshalb ist er für uns ein perfekter Partner für unsere typischen epochenübergreifenden MKO-Programme und wird bei uns neben der Konzertreihe im Prinzregententheater vor allem in den ›Nachtmusiken‹ in der Pinakothek der Moderne zu erleben sein.


Wir freuen uns wirklich außerordentlich, dass drei so herausragende Musiker mit uns gemeinsam den Weg in die Zukunft gehen werden. Sie allesamt, stehen auch für die Neugierde und das Entdeckertum, das uns als Münchener Kammerorchester immer so am Herzen liegt. So können wir Ihnen für die nächsten Jahre vielfältige, abwechslungsreiche und vor allem aber bewegende, tiefgehende und wahrhaftige Konzerterlebnisse versprechen.

Es ist uns zudem ein großes Anliegen, Freundschaften und Partnerschaften mit bedeutenden Solisten zu pflegen und auszubauen, die uns schon durch die letzten Jahre – teilweise gerade in der Stille des Lockdowns – begleitet haben. So wird der Geiger Christian Tetzlaff wieder zu hören sein und ein Programm vom Konzertmeisterpult leiten. Auch mit dem Pianisten Alexander Lonquich werden wir erneut gemeinsam musizieren, diesmal im Verbund mit Ilya Gringolts und Nicolas Altstaedt. Und die wunderbare Isabelle Faust kehrt mit Ligetis Violinkonzert zusammen mit Enrico Onofri wieder zu uns nach München zurück.

 

Auch programmatisch werden wir natürlich das Thema ›Aufbruch‹ aufgreifen. Mozarts Posthornsignal wird die Saison eröffnen, und mit den ›Folk Songs‹ von Berio möchten wir ein Statement für das Miteinander verschiedener Kulturen und Völker setzen. Viel Positives, dem Leben zugewandtes wird zu hören sein: mit Haydns tickender Symphonie ›Die Uhr‹, mit den Ouvertüren ›Coriolan‹ und ›Leonore‹ von Beethoven und mit Mozarts überwältigendem Auftakt zu seinen drei letzten Symphonien, der Es-Dur-Symphonie.

 

Christian Tetzlaff

Christian Tetzlaff

Nachtmusik in der Pinakothek der Moderne

Nachtmusik in der Pinakothek der Moderne

Schuberts frühe 3. Symphonie erklingt im sogenannten Konzertmeisterabo neben zwei Werken, die das Entstehen des gemeinsamen Klanges ganz ausdrücklich thematisieren: Julius Eastmans ›Buddha‹ in der Streicherfassung sowie die Uraufführung des vom MKO in Auftrag gegebenen Stücks ›Wurzelwerk‹ von Younghi Pagh-Paan mit dem Pianisten William Youn. Auch dem jungen Mendelssohn ist ein ganzes Abokonzert gewidmet, der mit seiner ganzen jugendlichen Kraft und seiner überbordenden Neugier seinen ganz unverwechselbaren, unglaublich persönlichen Aufbruch in eine romantische, emphatische Klangsprache findet. Hinzu kommen ganz in der Tradition des MKO Ur- bzw. deutsche Erstaufführungen von Sara Glojnaric und Thomas Larcher. Die drei Pinakotheks-Konzerte – allesamt Komponistinnen gewidmet – werden zum 20. Jubiläum der Reihe um ein nachgeholtes Porträtkonzert mit Bryce Dessner ergänzt, und auch im Schwere Reiter wird das Orchester wieder präsent sein, unter anderem mit dem Komponisten und Dirigenten Enno Poppe, mit einem südafrikanischen Programm unter Leitung von Xandi van Dijk und mit den sechs Solosonaten für Violine von Nikolaus Brass.

Im Laufe der Saison werden Sie sicherlich noch eine ganze Reihe anderer Verbindungen und Linien und Verknüpfungen entdecken, die die Programme des MKO wie immer zu unerwarteten Reisen machen.


Mit großer Vorfreude und herzlichen Grüßen,

 

Ihr Münchener Kammerorchester

 

Künstlerisches Gremium: Yuki Kasai, Daniel Giglberger, Florian Ganslmeier, Philipp Ernst, David Schreiber, Nancy Sullivan

X
Menü