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Associated Conductors des Münchener Kammerorchesters

Mit ›Aufbruch‹ ist die neue Spielzeit des Münchener Kammerorchesters überschrieben, und dieses Motto ist erst einmal ganz strukturell gemeint. Nach über 70 Jahren unter Leitung eines Chefdirigenten wagt das MKO ein in der Orchesterlandschaft neues Modell und wird ab der Saison 2022/23 mit drei gleichberechtigten Dirigenten – als Associated Conductors – zusammenarbeiten. Jörg Widmann, Enrico Onofri und Bas Wiegers werden vorerst für drei Jahre von unterschiedlichen Ausgangspunkten in das Orchester hineinwirken.

Die Verbindung des MKO zu JÖRG WIDMANN geht mehr als 25 Jahre zurück. 1997 schon hat das Ensemble eine erste Tournee mit ihm und seinem Violinkonzert ›Insel der Sirenen‹ unternommen, und seitdem ist Widmann – bei seinem ganzen atemberaubenden musikalischen Werde-gang – ein echter Freund des Orchesters geblieben. In den letzten Jahren hat sich diese Zusammenarbeit auf wunderbare Weise erneuert und wird nun nochmals intensiviert, u.a. auch mit einem Abokonzert zu Widmanns 50. Geburtstag im Juni 2023. Über seine Arbeit mit dem MKO sagt Widmann: ›Ich erlebe mit dem MKO eine gemeinsame Grundhaltung, die uns als Musiker verbindet, nämlich ein musikantisches Spiel aus dem Geist der kammermusikalischen Partnerschaft. […] Mein Ideal ist, ein Stück gemeinsam so gut erarbeitet zu haben, dass wir schweben können. Das kann man nur mit ganz wenigen Ensembles erreichen.‹

Einen der kompetentesten Anwälte für Alte Musik, ENRICO ONOFRI, konnte das Orchester in einem Filmprojekt während des Lockdowns endlich direkt kennenlernen, und sofort entstand der Wunsch nach einer engeren künstlerischen Verbindung. Mit ihm wird das MKO einen Blick von Mozart – sicher ein Schwerpunkt des gemeinsamen Projekts – bis hin zu Berio und Ligeti werfen. Der legendäre ehemalige Konzertmeister des Barockensembles ›Il Giardino Armonico‹ wird mit den Musikern dieser Entwicklung durch die Jahrhunderte aus historischer Sicht nachspüren. ›Die Musiker des MKO haben einen unglaublich großen, weiten musikalischen Atem. […] Ich möchte mit ihnen gemeinsam lernen, ergründen, einen gemeinsamen Ausdruck finden: sei es in Alter oder Neuer Musik, Klassik oder Romantik.‹ so Enrico Onofri über die Zusammenarbeit.

Der Dirigent BAS WIEGERS wird sich der Klassik wiederum vom anderen Ende der Zeitskala nähern. Auch er kommt als Geiger von der historischen Aufführungspraxis. Aus diesem Esprit heraus macht der mittlerweile international etablierte Dirigent insbesondere die Gegenwartsmusik scheinbar mühelos erlebbar. Nicht zuletzt deshalb ist er für das Ensemble ein perfekter Partner für die typischen epochenübergreifenden MKO-Programme und wird neben der Aboreihe vor allem in den ›Nachtmusiken‹ in der Pinakothek der Moderne zu erleben sein. ›Ich liebe es nicht nur Dirigent zu sein, der sagt, wie es sein soll, sondern ich möchte geben und nehmen – arbeiten mit dem, was mir aus dem Orchester selbst angeboten wird. […] Wenn wir auf diese Weise die ganze Breite des Repertoires gemeinsam reflektieren, Stigmen und künstliche Trennungen weiter beharrlich und neugierig überwinden, wenn wir also genau das leben, was wir sind, ha-ben wir alles erreicht.‹

ENRICO ONOFRI

Enrico Onofri ist Principal Conductor der Filarmonica Toscanini in Parma, erster Gastdirigent der Haydn Philharmonie Eisenstadt, Associated Conductor des Orchestre National d’Auvergne sowie Musikalischer Leiter und Chefdirigent der Academia Montis Regalis und nun auch Associated Conductor des MKO.

 

Im italienischen Ravenna geboren, widmet sich Enrico Onofri vor allem dem Repertoire des 17. bis 20. Jahrhunderts. Mit seiner profunden Kenntnis der historischen Aufführungspraxis findet er dabei zu einer ganz eigenen Sprache und Interpretation. Seine Karriere begann bereits während seines Violinstudiums, als er von Jordi Savall als Konzertmeister für ›La Capella Reial‹ verpflichtet wurde. Bald arbeitete er mit Ensembles wie Concentus Musicus Wien, Ensemble Mosaique und ›Il Giardino Armonico‹ zusammen, dessen Konzertmeister und Solist er von 1987 bis 2010 war.

 

2002 begann seine Karriere als Dirigent; zahlreiche Einladungen zu Orchestern, Opernhäusern und Festivals in Europa, Japan und Kanada folgten. So leitete er u.a. die Akademie für Alte Musik Berlin, das Orquesta Barroca de Sevilla, die Camerata Bern, Festival Strings Lucerne, das Kammerorchester Basel oder das Ensemble Kanazawa. Als Operndirigent war er in Produktionen an der Oper Lyon, dem Teatro de la Maestranza Sevilla oder dem Teatro Regio Turin zu erleben.

 

Enrico Onofri ist in bedeutenden Konzertsälen wie dem Musikverein Wien, Concertgebouw Amsterdam, der Tonhalle Zürich, der Carnegie Hall New York, dem Teatro Colon Buenos Aires und der Wigmore Hall London aufgetreten und hat mit Künstlern wie Cecilia Bartoli, Nikolaus Harnoncourt, Katia und Marielle Labeque, Christophe Coin und vielen mehr musiziert.

 

Seit 1999 unterrichtete Onofri Barockvioline und historische Aufführungspraxis am Conservatorio A. Scarlatti in Palermo und ist aktuell als Dozent am Conservatorio G. Rossini in Pesaro beschäftigt. Er gibt regelmäßig Meisterkurse in Europa, Japan und an der Juilliard School of Music in New York und ist Tutor und Dirigent des European Union Baroque Orchestra. 2019 wurde er mit dem ›F. Abbiati Preis‹ als bester Solist des Jahres ausgezeichnet.

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Enrico Onofri

Foto: Florian Ganslmeier

Enrico Onofri

Foto: Florian Ganslmeier

Enrico Onofri

Foto: Florian Ganslmeier

Enrico Onofri

Foto: Enzo Alessandra

Enrico Onofri

Foto: Chico de Luigi

BAS WIEGERS

Mit Esprit und undogmatischer Offenheit empfiehlt sich Bas Wiegers am Pult renommierter europäischer Orchester und Solistenensembles. Für seine detailgenaue Arbeit schöpft der Dirigent aus seiner langjährigen Erfahrung als Geiger und seiner fundierten Repertoirekenntnis vom Barock bis zur Musik von heute.

 

Genau diese programmatische Bandbreite soll in seiner neuen Funktion als Associated Conductor des Münchener Kammerorchesters, die mit der Saison 2022/23 beginnt, zum Ausdruck kommen. An der Oper Bern leitet er zur Saisoneröffnung eine Uraufführung von Georg Friedrich Haas und mit dem Klangforum Wien, dessen erster Gastdirigent er bis Sommer 2022 war, ist er bei den Tiroler Festspielen Erl (Regie Jan Lauwers) zu Gast. Des Weiteren kehrt er auf das Podium des SWR Sinfonieorchesters und des Radio Filharmonisch Orkest zurück.

 

In seiner niederländischen Heimat arbeitete Bas Wiegers u.a. mit Netherlands Philharmonic, Rotterdam Philharmonic und dem Royal Concertgebouw Orchestra. Zudem gastierte er beim Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, WDR Sinfonieorchester, Estonian National Symphony Orchestra, und dem Konzerthausorchester Berlin, sowie auf Festivals wie Wiener Festwochen, Prague Spring Festival, Huddersfield Contemporary Music Festival, Aldeburgh Music Festival und Ruhrtriennale. Operndirigate führten ihn wiederholt an die Oper Köln, Nederlandse Opera, die Opéra national de Lorraine, und das Theater Klagenfurt.

 

Bas Wiegers ist ein geschätzter Partner für Komponisten wie Georges Aperghis, Georg Friedrich Haas, Helmut Lachenmann, Salvatore Sciarrino und Rebecca Saunders.

 

Im Anschluss an seine musikalische Ausbildung in Amsterdam und Freiburg widmete sich Bas Wiegers zunächst seiner erfolgreichen Karriere als Geiger mit Schwerpunkt in der historischen Aufführungspraxis. 2009 wurde er mit dem Dirigentenstipendium der Kersjes Foundation ausgezeichnet. Es folgten Assistenzen bei Mariss Jansons und Susanna Mälkki beim Royal Concertgebouw Orchestra, die ihn darin bestärkten, sich gänzlich auf das Dirigieren zu konzentrieren.

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Bas Wiegers

Foto: Florian Ganslmeier

Bas Wiegers

Foto: Florian Ganslmeier

Bas Wiegers

Foto: Florian Ganslmeier

Bas Wiegers

Foto: Marco Borggreve

Bas Wiegers

Foto: Marco Borggreve

JÖRG WIDMANN

Jörg Widmann gehört zu den aufregendsten und vielseitigsten Künstlern seiner Generation. Auch in der Saison 2022/23 ist er weltweit in all seinen Facetten, sowohl als Klarinettist, Dirigent und als Komponist zu erleben, unter anderem als Visiting Composer und Dirigent beim Orquestra Sinfônica do Estado de Sao Paulo, beim National Symphony Orchestra Taiwan, als Residenzkünstler der Alten Oper Frankfurt, bei der Zaterdag Matinee im Amsterdamer Concertgebouw, deSingel in Antwerpen und natürlich beim MKO als Associated Conductor.

 

Besonders seine Tätigkeiten als Dirigent weitet Jörg Widmann in dieser Saison aus. So ist er unter anderem mit dem Konzerthausorchester Berlin, dem Mozarteumorchester Salzburg, dem Royal Scottish National Orchestra, dem Barcelona Symphony Orchestra und dem Radio Filharmonisch Orkest Amsterdam zu erleben. Langjährige Kammermusikpartner wie Tabea Zimmermann, Denis Kozhukhin, Daniel Barenboim, das Schumann und das Hagen Quartett, werden zusammen mit ihm u.a. bei der Schubertiade Schwarzenberg, in der Philharmonie Paris und dem Wiener Konzerthaus musizieren.

 

Ausgebildet von Gerd Starke in München und Charles Neidich an der Juilliard School New York war der Klarinettist Jörg Widmann selbst Professor für Klarinette und Komposition an der Freiburger Musikhochschule. Seit 2017 bekleidet Widmann einen Lehrstuhl für Komposition an der Barenboim-Said Akademie Berlin. Er war Fellow des Wissenschaftskollegs zu Berlin und ist Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, der Freien Akademie der Künste Hamburg (2007) und der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (2016).

 

Komposition studierte Jörg Widmann bei Kay Westermann, Wilfried Hiller, Hans Werner Henze und Wolfgang Rihm. Sein Schaffen wurde vielfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem renommierten, nur alle zwei Jahre verliehenen Stoeger Prize der New Yorker Chamber Music Society of Lincoln Center (2009). Dirigenten wie Daniel Barenboim, Daniel Harding, Kent Nagano, Christian Thielemann, Andris Nelsons und Simon Rattle bringen seine Musik regelmäßig zur Aufführung. Orchester wie die Wiener und die Berliner Philharmoniker, das New York Philharmonic, Orchestre de Paris, BBC Symphony Orchestra und viele andere haben seine Musik uraufgeführt und regelmäßig in ihrem Konzertrepertoire.

Jörg Widmann

Foto: Florian Ganslmeier

Jörg Widmann

Foto: Marco Borggreve

Jörg Widmann

Foto: Florian Ganslmeier

Jörg Widmann

Foto: Florian Ganslmeier

Jörg Widmann

Foto: Marco Borggreve
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