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DER LOZZI-TALK

Im dritten gemeinsamen Semester mit dem P-Seminar des Pestalozzi-Gymnasiums interviewen die Schülerinnen und Schüler zu jedem Abo-Konzert eine Person, die über das ›Wandern‹ im Zusammenhang mit der Musik spricht – im Dialog dazu steht ein eigens dafür gemachtes fotografisches Porträt.


YUKI KASAI, KONZERTMEISTERIN DES MKO

Yuki Kasai begann im Alter von fünf Jahren mit dem Geigenspiel. Nach Studienjahren, u. a. an der Musikhochschule ›Hanns Eisler‹ Berlin, ist sie heute international bei zahlreichen Orchestern zu Gast. Die Schweizerin mit dem charmanten Lachen ist seit dieser Saison Konzertmeisterin des MKO.

Was bedeutet Wandern für Sie?
Ich komme aus der Schweiz; wir waren jede Woche mit der Schulklasse wandern. Ich wandere sehr gerne, sowohl physisch als auch einfach in meinen Gedanken. Ich finde weiterkommen, woanders ankommen immer spannend, deswegen wohne ich auch in vier verschiedenen Städten [lacht]. Ein Stillstand ist nie gut. Wenn man sich menschlich weiterentwickeln möchte, beinhaltet das Wege, Abkürzungen, Sackgassen, und im weitesten Sinne ist das für mich auch eine Wanderung.

Wann sind Sie das letzte Mal gewandert?
Jetzt im Sommer in Japan. Das war in einem kleinen Tal, das berühmt ist für seine Thermalbäder. Wir sind von einem Dorf zum nächsten gewandert, immer am Fluss entlang und sind dabei nur ganz wenigen Leuten begegnet. Es war wahnsinnig heiß und stickig, aber andererseits unglaublich schön.

Welche Musik haben Sie beim Wandern im Kopf?
Ehrlich gesagt gar keine. Ich versuche dann einfach das, was um mich herum passiert mehr wahrzunehmen: ob Vögel oder Frösche, den Fluss oder sogar die Autobahn.

Welches Instrument verbinden Sie mit Wandern?
Kuhglocken (also im weitesten Sinne ein Schlagzeug-Instrument)… In der Schweiz trifft man irgendwie an jeder Ecke Kühe und dann hört man immer die Kuhglocken. Dieses Gebimmel, das immer da ist, so wie ein Ostinato, es ist immer ein Zufallsprinzip.


Inwiefern würden Sie sagen, dass Musik wandert?

Manchmal ist ›Musik machen‹ wie eine Reise: besonders bei langen Stücken und bei Uraufführungen. Man weiß nie genau, was während dieser Reise passieren wird. Ob das jetzt wirklich Wandern ist, weiß ich nicht, aber ganz sicher ist es, wenn man gemeinsam ankommt, jedes Mal eine neue, andere Reise gewesen. Auch ›Musik hören‹ hat mit Wandern zu tun: Allerdings ist das Gefühl, vor allem das Zeitgefühl, anders ob man spielt oder zuhört. Als Musiker muss man aus einem Stück das rausholen, was für den Zuhörer wichtig ist. Und für den Zuhörer ist das dann ein bisschen wie auf einer Achterbahnfahrt im Dunkeln. Vor allem wenn man Stücke hört, die man noch nicht kennt. Du hast keine Ahnung, wohin sie als nächstes fährt; du lässt dich einfach von der Musik mitziehen. Deswegen ist es eher ein passives Wandern, ein Mitwandern. Aber auch der Zuhörer kommt am Ende des Stückes
woanders an.

Was ist wichtiger: Das Wandern oder das Ankommen?
Ich glaube für mich ist doch das, was dazwischen ist, also eben das Wandern, wichtiger. Ich mag dieses Fortbewegen an sich – wenn ich Wandern gehe, gehe ich nicht, um irgendwo anzukommen. Wenn man Wandern auf einen gedanklichen Prozess bezieht und die Gedanken schweifen lässt, dann kommt man auch manchmal in Gebiete, die man nicht unbedingt kannte oder die man da nicht vermutet hat. Und manchmal kann Wandern auch eine Art Grenzerfahrung sei.


Das Interview führten Lotte Etschmann und Moéma Tiefengruber (Q12).

PETER WINTER, KLAVIERSTIMMER

Seit etwa 30 Jahren sorgt der gebürtige Münchner Peter Winter für gestimmte Klaviere in München und Umgebung. Seine Kindheit verbrachte er in Amerika. Mit 18 Jahren erblindete er und hat seitdem eine besondere Beziehung zur Musik. Ende der 70er Jahre macht er eine Ausbildung zum Klavierstimmer. Für ihn dürfte es durchaus mehr ›Stille‹ geben im Alltag.

Was bedeutet Wandern für Sie?
Mmh… Schön (lacht). Es macht Spaß, Freude und wenn man in den Bergen wandert, dann fühlt es sich gut an, im Körper. Man tut was, genießt die tolle Luft und die Berge, und man fühlt sich danach total gut, wohl. Das Wandern durch ein Musikstück ist wie eine Reise, je nachdem was für ein Musikstück es ist, oder Wandern durch ein Konzert, genau so.

Wann sind Sie das letzte Mal gewandert?
Das ist noch gar nicht so lange her. Jetzt im Sommer, im August irgendwann am Chiemsee mit meiner Familie.

Was ist Ihr Lieblingswanderziel?
Einer meiner Lieblingswanderwege ist in Schäftlarn an der Isar entlang gern auch öfter mal. Und Kochel am Walchensee ist schön. Und das Hörnle natürlich.

Sie sind ja Klavierstimmer und haben einen Bezug zur Musik. Welche Musik haben Sie denn beim Wandern im Kopf?
Ganz unterschiedlich, meistens höre ich eigentlich zu. Also den Vögeln, dem Wind, den Bäumen und dem Rauschen.

Haben Sie ein spezielles Lied, dass Sie mit dem Wandern verbinden?
Eigentlich nicht.  Am ehesten vielleicht „Der Schneider mit der Maus“- aber sonst eigentlich nicht. Ich genieße eher die Ruhe, dass mal nichts ist –  nichts ist außer Stille.


Welches Instrument verbinden Sie mit Wandern?
Schlagzeug, generell Percussion, oder Kontrabass.

In Ihrer Kindheit haben Sie ja an vielen verschiedenen Orten gelebt, auch in Amerika. Welche Erfahrungen haben Sie dadurch gemacht?
Naja ich hab quasi als Sehender, vor meiner Erblindung, schon sehr viel von der Welt gesehen. Die riesigen Wälder und wahnsinnigen Schneemassen dort in Amerika und später die Bahamas und Florida. Das Meer und auch die Welt unter Wasser. Da zehre ich viel davon, weil die Bilder habe ich alle noch im Kopf.

Haben Sie durch Ihre Erblindung besondere oder andere Erfahrungen beim Wandern gemacht?
Ja klar, man nimmt ja anders wahr. Nicht optisch, sondern eher durch Geruch, Hören, Fühlen, also die Wahrnehmung ist etwas anders. Als Sehender guckt man halt ›ah da drüben da ist der Berg‹ oder so und für mich ist es eher ›wie hört es sich an, wie fühlt es sich an, wie riecht es‹. Die Wahrnehmung ist einfach anders.

Was ist für Sie wichtiger, das Wandern oder das Ankommen?
Das Wandern! Es ist einfach schön so dahinzuwandern und bei sich zu sein. Wobei das Ankommen in der Wirtschaft ist auch schön (lacht).

Spielt die Erfahrung des Unbekannten, des Neuen für Sie eine Rolle beim Wandern oder beim Musik hören?
Klar. Das ist wichtig für mich. Wie gesagt für mich ist der Weg irgendwie interessanter als die Ankunft. Natürlich ist das auch schön vor allem wenn man in die Wirtschaft einkehrt, aber der Weg ist eigentlich das spannende. Wenn ich ein neues Musikstück höre und erobere, ist es dasselbe.

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?
Ich bin ja spät erblindet, also durch einen Unfall mit 18 und es gibt nicht so viele Blindenberufe – die meisten davon sind Büroberufe und das gefällt mir nicht. Für mich kam damals nur in Frage Physiotherapeut oder  Klavierstimmer.

Und wieso Physiotherapeut? Physiothearpie und Klavierstimmen sind ja zwei sehr unterschiedliche Berufe.
Das waren die, die für mich in Frage kamen, die mir halt Spaß machen. Aber dadurch, dass ich sowieso schon Musik gemacht habe habe ich mich dann für Klavierstimmen entschieden. Und weil ich eben eine Affinität zur Musik habe.

Für welche VIPs haben Sie schon Klaviere gestimmt?
VIPs? Herbie Hancock, Udo Jürgens, dann mach ich viele so Fehrnsehsachen, zum Beispiel bei ‚Sportler des Jahres‘ und einigen Klassiker, also ‚Winners and Masters‘. Das ist eine Serie, die ARD Preisträger ist. Und, wer war denn noch…Caterina Valente, Paul Kuhn, ja für die Bambiverleihung auch mal. Und bei vielen Jazzgrößen zum Beispiel Eddie Harris. Und oft auch in die Muffathalle. Das sammelt sich im Lauf der Zeit alles an.


Das Interview führten Annika von Bechtolsheim und Sophie Cramer (Q12).

BLOG: ON TOUR IN RUSSLAND

Vom 7. bis 11. Oktober 2017 ist das MKO auf Tournee in Russland

mit drei Konzerten in Perm, Jekaterinburg und Tjumen.

 

Aus Russland berichtet wieder Bernhard Jestl, seit 1985 Geiger beim MKO,

und hält Sie täglich auf dem Laufenden über die Konzerte,

die kleinen, kulturellen Unterschiede und natürlich das leckere Essen!

Nachtrag, 12. Oktober 2017

Liebe Freunde,

zum Abschluss vielleicht noch die Ausblicke aus meinen Hotelzimmern? Interessiert Sie das? Also hier folgen Perm, Jekaterinburg und meine Lieblings-Zimmeraussicht, Tjumen:

So, das war’s, es kommt nichts mehr.

Fünfter Eintrag: Mittwoch, 11. Oktober 2017

Liebe Freunde,

schon bald zu Ende unsere kurze Reise nach Russland, drei Konzerte nur, schade eigentlich, es hätte noch weitergehen können nach meinem Geschmack. Das Publikum hat uns sehr freundlich aufgenommen, aufgestanden zum Applaus, das ist nicht immer so, versicherte man uns, rhythmisches Klatschen ja, aber Aufstehen, das gibt es nicht immer, wir also sehr zufrieden – die Aufführung hat uns tief berührt – sagte eine Dame zu uns an der Ampel, als wir zu Fuß zurück zum Hotel wanderten, alle sehr froh gewesen, uns zu sehen, gingen noch eine Zeitlang neben uns her. Die Säle waren unterschiedlich, Tjumen bisschen dumpf, dicker Vorhang hinter den Bläsern, mussten sie sehr deutlich und nicht zu leise spielen, Jekaterinburg dagegen bisschen grell, sollten die Bläser sich zugunsten der Streicher zurückhalten, naja, deswegen macht man eine Anspielprobe. Noch sitzen wir im Hotel und warten auf den Transfer zum Flughafen von Tjumen, um dann über Moskau wieder nach München zu reisen, wo auf uns bald die Proben für unser erstes Abonnementkonzert nächste Woche warten: Xenakis, Widmann und Schubert stehen dort auf dem Programm, wir freuen uns schon, Sie alle dort begrüßen zu können.

Also, Tjumen: überraschend viele kleine Holzhäuschen im Zentrum der Stadt, sehr alt, klein, nur Erdgeschoß normalerweise, selten eine erste Etage, braunes Holz, hellblaue oder auch hellgrüne Fensterläden, oder auch einfache bunte Umrandungen um die Fenster, die teilweise merkwürdig tief auf Straßenebene, also auf Fußhöhe angebracht sind, die Menschen, die dort wohnen, schauen uns direkt auf die Schuhe. Kleine Viertel von solchen Häusern umgeben von einem Zaun oder einer Wand zuweilen sind von einer sehr hohen modernen Fußgängerbrücke, welche den Fluss überspannt, zu sehen. Im Gärtchen, Obst und Gemüse werden wahrscheinlich dort gezogen, sind Frauen mit der Harke zugange und gießen die Pflänzchen. Sie meinen, das sei jetzt klischeehaft und übertrieben, ganz und gar nicht: bin ich ja lange an solchen Anlagen entlang gegangen. Dazwischen immer wieder die früher bereits erwähnten blank geputzten Kuppeln, ich glaube, jemand klettert zweimal täglich mit dem Lappen hinauf, um die goldenen Preziosen zu wienern, so glänzen sie in der Sonne.

Also, das war das Ende, jetzt Security, warten, fliegen, warten, Passkontrolle, Zollkontrolle, stehen, warten, Security, sitzen, fliegen, warten, Koffer, Busfahrt nach Hause.

Herzlich, Ihr

Bernhard Jestl

Vierter Eintrag: Dienstag, 10. Oktober 2017

Liebe Freunde,

tja, die schöne Autobahn auf unserem Weg nach Tjumen ist bereits nach 35 km zu Ende, nun orientiert das Tempo sich wieder am Langsamsten, das ist der LKW vor uns. Leider hat unser Bus nicht die Kapazitäten, behende vorbei zu ziehen, nein, mit fünf km/h Unterschied müsste er versuchen zu überholen. Zwar geradeaus geht es allemal, aber doch nicht wenig Verkehr vereitelt immer wieder unser Vorhaben: tröstlich ist, dass auch der BMW direkt vor uns kein Überholmanöver wagt. Also schleichen wir mit sechzig durch die Landschaft. Der BMW hat’s geschafft! jetzt sind wir die Nächsten. Die Landschaft! es gibt sehr viel Landschaft: eine platte Ebene breitet sich ringsum aus, trockene gelbgrüne Gräser, ewige herbstliche Birkenwälder – tausende schmale weiße Stämme tragen spärliches gelbes Laub – dazwischen dampfende Äcker, Felder, Wiesen, alles gelblich, hell- und dunkelbraun. Schmale hölzerne Stromleitungsmasten säumen die Straße und führen uns zum nächsten Ort, kleine Holzhäuser, eine kleine Kirche mit Goldkuppel, KOFE, PECTOPAH, Produkti, sehr pittoresk, jawohl. Die Landschaft bisweilen wie im Allgäu, aber anders. Über allem ein blitzblauer Himmel, keine Wolke, da! wir haben den Schleicher überholt und schon der nächste Zementmischer vor uns, aber die Straße ist gut, kaum Baustellen, nur dann und wann eine wahnwitzige Querrille, auch unser Fahrer überrascht, hopp! – arme Stoßdämpfer.

Fünf Stunden später hat unsere Rumpel-Landstraße in eine Rumpel-Autobahn sich verwandelt, also donnern wir jetzt im Eiltempo der Stadt Tjumen entgegen. Immer noch gleißendes Sonnenlicht, schlanke Birken, dunkelschwarze Äcker und gräuliche Lastkraftwagen: freilich rattern sie rechts von uns dahin – wir sind jetzt schnell!

Heute Abend spielen wir nochmals Haydn, Stravinsky und Mendelssohn, sind schon am Konzertsaal vorbei gefahren und Plakat gelesen, jetzt essen, schlafen, oder so……

Dritter Eintrag: Montag, 9. Oktober 2017

Liebe Freunde,

wir haben Perm um halb acht Uhr verlassen: eine neblige Holperfahrt durch elende Industriegebiete, uralte Anlagen, Blech, Ziegel, Eisen, Beton soweit das Auge reicht, viele Menschen auf dem Weg zur Arbeit stehen und warten, ob sie der bis zum Dach von braunem Schmutz starrende Linienbus mitnimmt, sitzen stoisch hinter blind-schmutzig angelaufenen Scheiben. Aber dann lichtet allmählich der Nebel sich und die Stadt macht einer wunderbaren Landschaft Platz, Birkenwälder in der Sonne, die es endlich schafft, den Nebel zu durchdringen, über den Wiesen hält er sich freilich noch den ganzen Tag wahrscheinlich. Die Straße ist recht unterschiedlich beschaffen: bald verengt die Autobahn sich und wird zur schlechten Landstraße – selbst die wird noch gebaut – schleichen wir hinter graubraun verdreckten LKWs her. Der Bus ist recht angenehm und komfortabel, lässt unser Fahrer es sich nicht nehmen, zur Unterhaltung Musik anzuhören: romantische russische Schlager, russischer Hiphop, russischer Rap, russisch gecoverte Musik von alten Schinken, kennen Sie Boney M, macht nichts, Ohropax. Herrlich diese Farben der herbstlichen Bäume und Wiesen, hin und wieder eine Ortschaft, kleine Häuschen, oder aber Fabriken im Nebel, Schlote, aus welchen die Flammen empor lodern ganz hinten auf der anderen Seite des endlosen dunkelschwarz gefurchten Ackers. Dann wieder totaler Stillstand, einspurig die Straße aufgrund von Baustellen, warten wir auf Grün, da! kommt der Gegenverkehr, es geht weiter, langsam – langsam. So nähern wir allmählich uns der Stadt Jekaterinburg, wo wir abends recht früh um halb sieben unser Konzert spielen werden, nämlich Mendelssohn Hebriden, die Schottische Sinfonie, dazu noch Concert Romanesc von Ligeti und Kammersinfonie Nr. 1 von Isang Yun – ein eurasisches Programm also: koreanische, ungarische bzw. rumänische und deutsche Musik.

Jekaterinburg! Die Millionenstadt sendet uns eine Autobahn, die wir flugs benützen, und schnell nähern wir uns dem Zentrum. Übrigens ganz unspektakulär die Schwelle zwischen Europa und Asien: ein schlichter Drahtverhau, nein, ein Draht-Artefakt links der Autobahn zehn Kilometer vor der Stadt: hier beginnt Asien! ein kleiner goldener Drache aus Eisen mit weit aufgesperrtem Maule.

Zweiter Eintrag: Sonntag, 8. Oktober 2017

So, heute kommt unser erstes Konzert, also, es ist gerade erst elf Uhr morgens: extra spätes Frühstück für uns vorbereitet, sind wir doch gegen halb fünf Uhr früh im Hotel angekommen. Der Saal ist quasi in Rufnähe, vom Hotel aus zu sehen, sehr angenehm. Angenehm auch der nächtliche Flug von Moskau hierher mitsamt kurzer Busfahrt durch die dunkle schlafende Stadt.

Heute, am Sonntag, zeigt die Stadt sich von ihrer ruhigen Seite, kein Stau, wenig Menschen, halbleere blass-orangene Trambahnen rattern vor sich hin, aber der kurze Spaziergang durch die trübe Kälte hat sich gelohnt: wir sehen alt und neu, verfallen und aufgebaut, traditionell und modern, hässlich und schick, Holz und Beton. Kirchen blassblau oder lindgrün angemalt mit geputzten glänzenden Goldkuppeln; alle Banken geschlossen, geöffnet ist aber ein Supermarkt und ein paar kleine Läden: ›Produkti‹, wir kaufen ein – fünf Musiker, jeder trägt eine Flasche Wasser in der Hand auf dem Weg zurück zum Hotel Ural in der ul. Lenina 58.

Der Saal hatte seine Tücken: Eine laute Heizung, oder air condition, das konnte man schwer unterscheiden, auf jeden Fall wehte es kühl von rechts nach links über die Bühne, von den Geigen zu den Celli, von den Hörnern zu den Pauken, außerdem ein recht lautes Rauschen war zu hören, wir aber haben laut genug gespielt, das Geräusch zu übertönen. Während der Haydn Sinfonie ging plötzlich die Bühnenbeleuchtung aus, wir also im Dustern weitergespielt, nach zwei Minuten,wieder hell, naja macht nichts.

Ich möchte Ihre Aufmerksamkeit auf den Schluss des Stückes ›Apollon Musagete‹ von Stravinsky richten: Nach der Geburt des Apollo, die ganz klar und rein erfolgt: sein Thema – punktiert und in sauberen Dreiklängen wird es präsentiert, ganz stolz in C-Dur schreitet es einher. Es folgen nun mehrere Tanzsätze, die die verschieden Musen symbolisieren, er tanzt mit allen mehr oder weniger unverbindlich, ein ganz zarter pas des deux und eine Coda schließen sich an, ganz Flitter und Tand, leicht und schnell. Jetzt aber nach der Coda schreibt Stravinsky noch eine Apotheose: dieser letzte Satz, ich gebe es gerne zu, treibt mir die Tränen in die Augen. Nicht C-Dur, sondern h-moll ist die Tonart, welche das Stück beschließt, auch das schreitende punktierte Motiv ist kein Dreiklang mehr, es hat sich verändert: auf eine Quinte aufwärts folgt eine große Septime abwärts, und eine große Terz nach oben. Dieses Motiv wird unablässig wiederholt, während die Musik langsam in h-moll sich einpendelt, Akzent auf jedem Ton, eine Grimasse, die sich festfrisst und schließlich entschwindet, so sehe ich das, wenn auch nicht unwidersprochen von Kollegen, aber, sehen Sie, so verschieden kann man dieselbe Musik empfinden.

So! Jetzt schlafen, denn morgen geht es früh los nach Yekaterinburg: der Weg ist weit und nicht ohne Hindernisse, haben wir gehört. Von Europa nach Asien, südlich am Ural vorbei in die Oblast Swerdlowsk.

Darauf freut sich schon Ihr

Bernhard Jestl.

Erster Eintrag: Samstag, 7. Oktober 2017

Liebe Freunde,

wir sitzen in Moskau am Flughafen und warten auf den Anschlussflug nach Perm, wo wir morgen ein Konzert spielen werden – also nochmals zweieinhalb Stunden Richtung Osten.

Was alles habe ich mit an Bescheinigungen: Wertbestätigungen für Geige und Bogen, Fotos der Violine von vorne, von hinten und von der Seite, ein Foto des Bogens, dazu noch eine ›Declaration of Materials‹. Man darf ja alles Mögliche nicht dabei haben: Elfenbein vom Elephas Maximus, oder auch vom Loxodonta africana, des weiteren Holz von Dalbergia nigra, Schildpatt von den Cheloniidae spp. Auch nichts von Cetacea spp., das sind Knochen, Zahnmatial, Walbarten (auch Fischbein genannt) – das alles kann beim Geigen- oder Bogenbau zum Einsatz kommen, ist aber mittlerweile geschütztes Material: Das ungefähr war Anhang A der Verordnung 338/97.

Wollen Sie noch Anhang B wissen? Da geht es um geschützte Reptilien wie Krokodil, Schlange, Eidechse oder Waran: auch die können im Bogenbau Verwendung finden. Zum Schluss noch Walross (Odobenus rosmarus) – gibt es vielleicht auch am Violinbogen. Man bräuchte eine CITES-Genehmigung (Convention of International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora), um mit solchen Instrumenten zu reisen.

Ich habe einen Bogen, der eine Genehmigung benötigte, hat er doch am Frosch eine Perlmutteinlage vom Silberfisch, das ist der Name einer geschützten mexikanischen Muschelart, was soll ich machen, zur Zeit des Bogenbaus war diese Muschel noch nicht so selten. Jetzt lasse ich diesen Bogen zu Hause, reise mit einem anderen, also innerhalb der EU könnte ich damit spielen, aber nicht in Russland.

Doch genug von Materialien, wir sind glücklich durch den Zoll gelangt, haben haufenweise Stempel in den Pass und auf unsere Unterlagen bekommen, blau und rot, dazu noch Unterschriften, Bemerkungen und Kringel in allen Größen um alle möglichen Mitteilungen von verschiedenen Mitarbeitern auf den Dokumenten: muss man ja nachweisen können, dass man exakt mit den gleichen Instrumenten das Land verlassen wird. Jetzt freuen wir uns schon auf das erste Konzert: Haydn Sinfonie Nr. 102, Stravinsky ›Apollon Musagete‹ und die ›Schottische Sinfonie‹ von Mendelssohn – morgen in Perm, ich werde Ihnen bald davon berichten. Aber jetzt erstmal nach Perm fliegen.

Bis dahin herzliche Grüße von Bernhard Jestl.

ERSTER MKO-WANDERTAG

Gemeinsam mit unserern Freunden und Förderern sowie Abonnenten möchten wir dem Saisonthema ›Wandern‹ folgen und eine Herbstwanderung am schönen Schliersee unternehmen. Am Sonntag, den 22. Oktober 2017, findet unser erster MKO-Wandertag statt, zu dem wir Sie herzlich einladen.


Zusammen mit Clemens Schuldt und Musikern des MKO geht es vom MKO-Probenraum in der Amalienstraße aus mit dem Bus an den Schliersee. In der Kapelle St. Georg am Weinberg gibt ein kleines Konzert den musikalischen Auftakt des Tages. Im Anschluss laufen oder fahren wir gemeinsam zur Talstation der Seilbahn, die uns zur Schliersbergalm in 1061 m Höhe bringt. Optional können Sie natürlich auch gern einen der Wanderwege zur Schliersbergalm nutzen, weitere Informationen zu allen möglichen Touren und Spazierwegen finden Sie am besten direkt auf der Website der Schliersbergalm.

Ausblick von der Schliersbergalm

Von dort aus gibt es die Möglichkeit, Wanderungen verschiedener Dauer und Schwierigkeitsgrade zu unternehmen – vom einstündigen Spaziergang auf den Schliersberggipfel über die eineinhalbstündige Tour nach Zielmoos bis zur zweistündigen Wanderung zum Taferlmoos und zurück. Wer nicht gut zu Fuß ist, kann von der Alm aus den Ausblick über den Schliersee genießen. Nach den Wanderungen versammeln wir uns alle in der Almhütte, wo wir uns vor der Rückfahrt stärken können.

Für weitere Informationen und die Anmeldemodalitäten schreiben Sie uns bitte unter: h.schwenkglenks@m-k-o.eu.

SAISON 2017/18 IN APPLAUS KULTURMAGAZIN

Die Titelstory in der Septemberausgabe von APPLAUS ist die zweite Saison von Clemens Schuldt mit dem Münchener Kammerorchester:

»Als er jung war , fuhren die Eltern mit ihm immer von Bremen aus zum Wandern. ›Ob in die Schweizer Berge, Schwarzwald, Österreich, Mittenwald: Jedes Jahr ging es woanders hin; bis ich dann in die Phase der Ablehnung rutschte‹, gesteht Clemens Schuldt. Kein Wunder, dass er erst jetzt, nah den Alpen in München wohnend, wieder in die Berge geht (›freiwillig‹) und sich mit neuen Wanderschuhen (›das war schon symbolisch‹) von Gipfel zu Gipfel steigert. Natürlich ist der Chef auch dabei, wenn es zu Spielzeitbeginn am 22. Oktober eine musikalische Herbstwanderung mit Freunden, Förderern und Abonnenten geben wird.«

Den ganzen Artikel mit mehr Informationen zu Clemens Schuldt und dem Programm der Saison 2017/18 ›Wandern‹ des MKO aus der Septemberausgabe von APPLAUS können Sie hier (als pdf) nachlesen.



NEUE ORCHESTERMITGLIEDER AB DER SAISON 2017/18

Mit Beginn der Saison 2017/18 begrüßen wir drei neue Mitglieder im Münchener Kammerorchester, die die Probespiele in den letzten Monaten gewonnen haben:

Yuki Kasai übernimmt die vakante Konzertmeisterstelle. Sie leitet u.a. das zweite Abonnementkonzert am 23. November 2017 im Prinzregententheater mit Werken von Janáček
, Haydn, Tüür und Mozart.

Viktor Stenhjem ist ab sofort Mitglied der Violinen. Der junge norwegische Geiger spielt zum ersten Mal mit dem MKO beim ARD-Musikwettbewerb im September.

Und der in Kapstadt geborene Xandi van Dijk ist neuer Stimmführer der Bratschen, sein erstes Konzert diese Saison mit dem MKO ist der Auftritt auf der Oiden Wiesn am 30. September 2017.

Wir gratulieren zu den gewonnenen Probespielen und freuen uns auf die ersten Konzerte mit unseren neuen Orchestermitgliedern!

SAISON 2017/18 – ›WANDERN‹

›Wandern‹ ist das Motto des Münchener Kammerorchesters für die Konzertsaison 2017/18. ›Kaum ein anderer Begriff eröffnet einen so weiten Assoziationsraum für eine neue Saison‹,  so Chefdirigent Clemens Schuldt im Grußwort zur neuen Saison. ›Die Thematik hat viele Spuren in der Musik hinterlassen, und das nicht nur in der Romantik, wo der einsame Wanderer zur Ikone einer Generation wird … Dabei ist Wandern nicht durchweg positiv belegt; es hat auch mit Abschied zu tun, mit Ermüdung, Erschöpfung, Sehnsüchten, dem Wunsch, dem Alltag zu entfliehen oder dem Verlust der Heimat.‹
All diesen verschiedenen Aspekten spürt das MKO in seiner neuen Saison nach.

Es ist die zweite Saison mit Clemens Schuldt als Chefdirigent, und er wird diesmal nicht nur 4 Abonnementkonzerte im Prinzregententheater dirigieren, sondern auch die Leitung aller drei Nachtmusiken in der Pinakothek der Moderne, eines MKO Songbook, des Kinderkonzerts ›Peterchens Mondfahrt‹ und des neuen Projekts ›MKO trifft Whitebox‹  übernehmen.

Mit John Storg
årds, auch in der Saison 2017/18 Artistic Partner, bringt das MKO den saisonübergreifenden, sehr erfolgreichen Haydn-Ligeti-Zyklus zum Abschluss.

Wir freuen uns, auf eine spannende Saison voller neuer Herausforderungen, Uraufführungen und Reisen!

Weitere Informationen hier und Download des neuen Saisonprogramms hier


Neue CD: Tigran Mansurian ›Requiem‹

Am 17. März ist eine neue Aufnahme bei ECM Records erschienen: gemeinsam mit Alexander Liebreich und dem RIAS-Kammerchor hat das MKO das ›Requiem‹ des armenischen Komponisten Tigran Mansurian eingespielt.

Tigran Mansurians ›Requiem‹ erinnert an die Opfer des Völkermordes, der von 1915 bis 1971 im damaligen Osmanischen Reich an den Armeniern verübt wurde. In bewegender Weise führt Mansurian die musikalische Tradition seines Landes, ihre Klangfarben und Stimmungen, mit dem lateinischen Bibeltext zusammen und erfüllt seine Komposition mit dem ›leuchtenden Glanz der armenischen modalen Musik‹, wie Paul Griffiths es in seinem Essay formuliert. Für Mansurian, der als bedeutendster Komponist Armeniens gilt und in dessen Musik, so die Los Angeles Times, ›ein tiefer kultureller Schmerz besänftigt wird durch wundersam sitlle, herzzerreißende Schönheit‹, bedeutet das Requiem einen Meilenstein.
Das Requiem entstand im Auftrag des MKO und des RIAS-Kammerchors und wurde im Januar 2016 in der Jesus-Christus-Kirche in Berlin-Dahlem mit Manfred Eicher als Produzent aufgenommen.

Weitere Informationen bei ECM Records

Mit Anja Petersen (Sopran), Andrew Redmond (Bariton), Alexander Liebreich, RIAS-Kammerchor und dem Münchener Kammerorhester.

BLOG: ON TOUR IN SÜDAMERIKA

Vom 22. April bis 1. Mai 2017 ist das MKO auf Tournee in Südamerika

mit fünf Konzerten in Buenos Aires, Montevideo und Lima.

 

Aus Südamerika berichtet Bernhard Jestl, seit 1985 Geiger beim MKO,

und hält Sie täglich auf dem Laufenden über die Konzerte,

die kleinen Unterschiede zwischen Südamerikanern und Europäern

und natürlich das leckere Essen!

Zehnter Eintrag: Sonntag, 30. April 2017

Liebe Freunde,

jetzt endlich der Bericht über unser zweites Konzert in Buenos Aires. Wie Sie wissen, hat sich unsere Reise am heutigen Tag etwas hindernisreich gestaltet, aber vergessen alle unangenehmen Vorkommnisse, wir spielen jetzt! Und keiner im Publikum weiß, was wir tagsüber gemacht haben, keiner soll es wissen. 

Manchmal entsteht gerade unter widrigen Umständen etwas Schönes, man rückt zusammen, die Ohren und Augen sind weit, wir sind uns nahe, mag sein, dass wir uns noch besser als sonst verstehen. Die Mozart-Sinfonie, gar nicht mehr geprobt seit vorgestern, läuft wie geschmiert, bisschen routiniert vielleicht? aber nein! und wenn doch: seinen Sie uns nicht gram, wir sind froh, dass es gut läuft. Respekt: Veronika Eberle hat ja unsere Reise (Bus – Warten – Bus – Warten – Schiff – Bus) mitgemacht; nicht leicht sich dann hinzustellen vor 2000 Leuten und Mozart zu spielen! Brava! ein Mensch in der ersten Reihe wird nicht müde, seiner Begeisterung Ausdruck zu verleihen, brava! Bravi! Ein netter Mensch, muss ich sagen, sehr sympathisch.

Nach der Pause dann Kreisler jetzt alle drei: Schön Rosmarin, Liebesleid, Liebesfreud in einer Fassung für Solovioline und Streichorchester, und danach die fünfte Sinfonie von Schubert, ganz österreichisch der zweite Teil also. Eine Flötistin mehr als 20000 km zu schicken, um eine Sinfonie zu spielen? Wir haben’s getan, und sie hatte nichts dagegen, ist froh, hier zu sein. Und wenn wir uns auf den Weg nach Lima machen, sitzt sie bereits wieder in der Maschine nach Frankfurt.

Das war Bernhard Jestl aus Buenos Aires, ach ja: ich gehe jetzt essen; wird wohl ein Steak werden. Wenn man schon mal hier ist…..

Liebe Freunde,

gerade komme ich von einer cevicheria, soviel zum Essen, und jetzt muss ich etwas üben: wir haben ja demnächst zu tun. Bald fahren wir nach Berlin, wo wir mit dem RIAS Kammerchor auftreten, Pärt und Beethoven wird es geben, und danach unser Abonnement-Konzert in München mit Copland, Reich und Schönberg. Das sind alles schwierige Werke, die vorbereitet werden müssen, deshalb nutze ich den letzten freien Nachmittaoig dafür.

In unserem zweiten Lima-Konzert spielen wir Mozart 201, das A-Dur Violinkonzert, die drei Stücke von Kreisler und nochmals die Abschiedssinfonie. Wieder im gleichen Saal wie gestern, dem Colegio Santa Ursula.

Wir reisen übrigens nicht mit unserem eigenen Kontrabass, zu umständlich und zu teuer, das Instrument mitsamt flight case durch die Welt zu schicken, schleppen, schieben. Ich kenne allerdings eine Person, die sich nichts sehnlicher wünschen würde, als das. Es ist verdammt schwer, sich in jeder Stadt auf ein anderes Instrument einzustellen, auch differiert die Qualität der einzelnen Bässe gewaltig. Kennen Sie die Abschiedssinfonie? Da gibt’s nämlich ein Solo am Ende: bevor die Bassistin das Podium verlässt, spielt sie ein Solo, und wie unsere Bassistin diese Herausforderung erledigt hat, da fehlen mir die Worte.

Tatjana, wir lieben dich dafür, vielen Dank.

Neunter Eintrag: Samstag, 29. April 2017

Liebe Freunde, 

das erste Konzert in Lima haben wir hinter uns: Mozart Sinfonie A-Dur, Violinkonzert D-Dur, Fennessy, Reger, Haydn Abschiedssinfonie, Sie kennen ja inzwischen unser Programm genau so gut wie wir, neun Stücke immer wieder anders zusammen gesetzt.

David Fennessy hat das Stück „Hirta Rounds“ vor zwei Jahren für uns komponiert, haben wir dann auch im Prinzregententheater uraufgeführt und später noch einige Male gespielt. Hirta, eine nicht von Menschen bewohnte Insel ist Namensgeberin für das Werk, also es leben unzählige Seevögel dort, das hört man auch in der Komposition: Hirta, eine schottische Insel über Bayern nach Peru gebracht, das ist doch schön, ja, finde ich auch.

Die Abschiedsinfonie kommt immer gut an; es gibt ja Menschen, die behaupten, die Tonart fis-moll und später Fis-Dur sei von Haydn mit Bedacht gewählt, damit es möglichst unsauber klinge, das wage ich zu bezweifeln, wir jedenfalls geben uns alle Mühe, diesen Verdacht nicht aufkommen zu lassen und haben die schwierigsten Stellen nochmals extra langsam geprobt. Das Publikum froh und lächelte zufrieden, als der zweite Hornist und die erste Oboistin aufstanden, die Bühne zu verlassen, denn die beiden beginnen den Hinausmarsch.

Ihr Bernhard Jestl

Achter Eintrag: Freitag, 28. April 2017

Liebe Freunde,

angekommen in Lima!
Lima morgens um neun, noch ziemlich trüb und wärmlich, es soll aber aufheitern, sagt der Wetterbericht, wie? Drei Grad Celsius in München, das finde ich nicht okay. 

Unsere Reise hierher war recht anstrengend, am Ende doch neuneinhalb Stunden unterwegs einmal quer über den Kontinent und noch Richtung Norden, sehr unruhig dieser Flug, sehr unruhig.

Jetzt aber frei bis 18 Uhr, wir brauchen nur noch eine Anspielprobe zu machen, das ist komfortabel. Also was tun? Pazifikküste oder Altstadt, habe ich gehört, ich kenne beides schon, wirklich herrlich die Altstadt, kann ich mich erinnern, und eindrucksvoll das Meer, also nicht am Meer die Altstadt, da liegen einige Kilometer dazwischen, muss man Taxi fahren, aber Vorsicht, welches Taxi, am besten, man lässt sich vom Hotel eins rufen – mit einem Wort: ich bleibe in der Gegend. Üben ,Schlafen, Lesen, Ausruhen, Essen, das ist alles.

Ihr Bernhard Jestl

Siebter Eintrag: Donnerstag, 27. April 2017

Liebe Freunde,

jetzt endlich der Bericht über unser zweites Konzert in Buenos Aires. Wie Sie wissen, hat sich unsere Reise am heutigen Tag etwas hindernisreich gestaltet, aber vergessen alle unangenehmen Vorkommnisse, wir spielen jetzt! Und keiner im Publikum weiß, was wir tagsüber gemacht haben, keiner soll es wissen. 

Manchmal entsteht gerade unter widrigen Umständen etwas Schönes, man rückt zusammen, die Ohren und Augen sind weit, wir sind uns nahe, mag sein, dass wir uns noch besser als sonst verstehen. Die Mozart-Sinfonie, gar nicht mehr geprobt seit vorgestern, läuft wie geschmiert, bisschen routiniert vielleicht? aber nein! und wenn doch: seinen Sie uns nicht gram, wir sind froh, dass es gut läuft. Respekt: Veronika Eberle hat ja unsere Reise (Bus – Warten – Bus – Warten – Schiff – Bus) mitgemacht; nicht leicht sich dann hinzustellen vor 2000 Leuten und Mozart zu spielen! Brava! ein Mensch in der ersten Reihe wird nicht müde, seiner Begeisterung Ausdruck zu verleihen, brava! Bravi! Ein netter Mensch, muss ich sagen, sehr sympathisch.

Nach der Pause dann Kreisler jetzt alle drei: Schön Rosmarin, Liebesleid, Liebesfreud in einer Fassung für Solovioline und Streichorchester, und danach die fünfte Sinfonie von Schubert, ganz österreichisch der zweite Teil also. Eine Flötistin mehr als 20000 km zu schicken, um eine Sinfonie zu spielen? Wir haben’s getan, und sie hatte nichts dagegen, ist froh, hier zu sein. Und wenn wir uns auf den Weg nach Lima machen, sitzt sie bereits wieder in der Maschine nach Frankfurt.

Das war Bernhard Jestl aus Buenos Aires, ach ja: ich gehe jetzt essen; wird wohl ein Steak werden. Wenn man schon mal hier ist…..

Sechster Eintrag: Mittwoch, 26. April 2017

Entschuldigen Sie, liebe Leser, dieser Reisebericht erfordert zwei Abteilungen, wo waren wir? Vorschnell habe ich Sie entlassen, in der Meinung, unser Schiff, welches wir seit zwei Stunden an der Mole stehen sahen, würde uns zügig ans Ziel bringen, au contraire! 16 Uhr Abfahrt steht auf dem Ticket, und Sie glauben es nicht – das Schiff fährt ohne uns, genau um vier. Mit einem Wort, es war das falsche; leer, wie es da gestanden hat, macht es sich davon.

Aber naht sich schon das nächste! kommt angebraust, steigen aus die Passagiere, steigen ein wir – zusammen mit dreihundert anderen Menschen – und los geht die Fahrt: eine Stunde Verspätung, 17 Uhr. Jetzt aber wirklich zügig überqueren wir den Rio de la Plata wunderbar im Abendlicht, dunkelblauer Himmel, niedrige Wolken, Sonne länglich auf dem Wasser – ein Traum.

Lassen Sie mich doch kurz den Blick aus dem Fenster genießen.——- Danke. 

Man hat uns netterweise in die Nähe des Ausgangs gesetzt, sinnlos! müssen wir doch auf unsere Koffer warten, wie am Flughafen. 18:25. Viel Verkehr um die Abendzeit in Buenos Aires, wie überall; wir stehen zunächst kurz im Stau, aber dann doch recht bald angekommen beim Teatro Colon;  (ins Hotel? viel zu spät) jetzt aber schnell, schnell hinauf auf die Bühne! auspacken schnell die Geigenkästen, 18:40 keinen Ton geübt heute und einmal ohne Wiederholungen durch die Fünfte Schubert. Auch die Solistin will natürlich paar Töne spielen, also nur vier Zeilen vom Mozart A-Dur Violinkonzert und einmal Kreisler Liebesleid.

Tja, die Stage Manager können uns leider nicht mehr Zeit geben, haben sie ja den Publikumseinlass für uns bereits um 15 Minuten verschoben, hören wir auch schon die Leute draußen im Foyer plaudern. 

19:35 Probe zuende und schnell, schnell umziehen, 25 Rollenkoffer hinter der Bühne, Bananen essen – ich habe gehört, ich solle über das leckere Essen berichten: jetzt also nehme ich zwei Bananen zu mir, und schon beginnt unser zweites Konzert in Buenos Aires.

Ihr Bernhard Jestl

Fünfter Eintrag: Mittwoch, 26. April 2017

Liebe Freunde,

der Sturm hat sich nicht gelegt: kein Schiff kann in den Hafen einfahren. Wir stehen bereits mit unseren Tickets beim Einchecken, warum eigentlich stehen wir da? weiß man doch bereits, dass das Schiff nicht abfahren wird. Also alle wieder heraus aus der Schlange, kriechen wir unter den Absperrungen durch, verhaken Geigenkästen sich am elastischen Band, aber das ist doch unwichtig! neue Ansage: mit dem nächsten Schiff, das möglicherweise um zwei fahren könnte, wenn das Wetter es erlaubt, würden wir unsere Probe um fünf im Teatro Colon nicht schaffen. Fliegen vielleicht? Oder ein anderes Boot von einer anderen Stelle? 

Wir warten, sitzen, lesen, trinken Kaffee, warme Sonne, kalter Wind. Ein Bus kommt um zwölf! heißt es, also eine Stunde warten sitzen lesen. Nein, der Bus kommt in fünf Minuten, umso besser! Warten sitzen lesen, der Bus kommt nach zwanzig Minuten, uns nach Colonia zu bringen, damit wir dort ein Schiff besteigen können auf unserem Weg nach Argentinien.

Nach einigen Unwägbarkeiten endlich kurz vor zwölf fährt der Bus nordwestwärts nach Colonia.

Riesiger Containerhafen, bräunlicher Fluss, armselige Häuser, holpriger Asphalt,  wedelnde Palmen, grüne Wiesen, Rinderherden, Pferde, schwere Lastwagen, plattes Land.

175 km später: Colonia! halb zwei, aber das Schiff legt erst um vier ab, also warten sitzen lesen und pünktlich! um 15.15 Passkontrolle und einchecken aufs Schiff.

Es geht los und ich melde mich wieder nach dem Konzert.

Ihr Bernhard Jestl

Vierter Eintrag: Dienstag, 25. April 2017

Liebe Freunde,

das Konzert im wunderschönen Montevideo ist zuende, und froh die Leute, ins Teatro Solis sich aufgemacht zu haben, wir sowieso. (Sie müssen zu unserer Rechnung übrigens noch 200 km dazu zählen: das ist etwa die Entfernung per Schiff zwischen Buenos Aires und Montevideo hin und zurück, das aber nur am Rande.)

Man sollte sich ein wenig auf die unterschiedliche Art und Weise, den Applaus zu gestalten, einstellen: schon im Teatro Colon plätscherte es spärlich, als wir die Bühne betraten, kaum zur Hälfte erschienen vor dem Vorhang unser Orchester, und bereits wieder still die Hände der Leute, dabei sind wir nur 26 Spieler! Das dauert nicht lange, bis wir auf der Bühne sind! Aber man soll nicht vorschnell urteilen: am Ende dann wollten sie gar nicht aufhören zu applaudieren. So auch im Teatro Solis in Montevideo. Wenig Klatschen zu Beginn, auch zwischen den einzelnen Werken nur einmal aufstehen und verbeugen, das alles hat nichts zu bedeuten, denn am Ende: Bravorufe.

Ausnahme: selbstverständlich nach dem Violinkonzert viel Applaus für unsere Solistin, bedankte sie sich mit Kreisler: Liebesfreud. Die kommt ja später nicht mehr, also klatschen wir jetzt! Vielen Dank! Das ist effektiv und spart Zeit. Und hernach ins Hotel geeilt im Sturmgebraus –  Regen und starker Wind vor meinem Fenster donnert laut! ums Gemäuer.

Das war aus Uruguay

Ihr Bernhard Jestl

Dritter Eintrag: Dienstag, 25. April 2017

Liebe Freunde,


der Weg nach Montevideo gestaltete sich folgendermaßen: aufstehen um halb sechs, hinunter zum Frühstück, ja, im Hotel Panamericano gibt’s schon ab sechs Uhr Frühstück, ganz regulär. Um halb sieben nämlich fährt uns ein Bus zum Schiff, das uns nach Uruguay bringen wird. Ein feines Schiff, ein sehr feines. So sauber und gepflegt, dass man weiße Überschuhe anziehen muss, wie im OP: die edle lindgrüne Auslegeware würde sonst leiden. Alles ist hermetisch abgeschlossen, die Fenster allerdings beschlagen, Schmutz oder Salz, man weiß es nicht. 

Wir überqueren den Rio de la Plata, 60 km breit an dieser Stelle, kurz bevor der Fluss in den Atlantik mündet. Ein gewaltiges Delta – tags zuvor konnte ich vom Dach des Panamericano die Küste Uruguays sehen; ganz hinten im Dunst. 

Die beiden Hauptstädte liegen nicht direkt gegenüber, wir fahren auch ein bisschen längs, nicht nur quer, das erklärt die etwas längere Reise von zweieinhalb Stunden.

Soweit für diesmal.


Herzlich, ihr Bernhard Jestl

Zweiter Eintrag: Montag, 24. April 2017

Das Teatro Colon! muss in einem Atemzuge mit Musikverein, Carnegie Hall oder Royal Albert Hall genannt werden – oder auch mit Scala, Wiener Staatsoper und der Met. Hat man je solch ein Haus gesehen? Ein Gang durch den leeren Zuschauerraum lässt träumen: weiche Teppiche, roter Samt, sanftes Licht von unzähligen Lampen schaffen eine unvergessliche Atmosphäre. Logen, Sitze – alles von gediegener feinster Qualität – was haben diese Sitze nicht schon alles gehört!

Und hinter Bühne: auch die Stage Manager sind selbstbewusst und sicher, arbeiten sie doch in einem der berühmtesten Häuser. Huldvoll öffnen sie uns den Vorhang, durch welchen wir die Bühne betreten, halten den schweren Stoff am massiven Griff aus Leder. 

Was für ein Glück, denke ich während des Spielens, was für ein Glück, 24041 km reisen zu dürfen, um hier aufzutreten. Ja, manche im Publikum kennen uns – vielleicht aus dem Radio, von einer CD, haben uns gesehen auf YouTube, gehört in Spotify – Humbug!!! das ist das Teatro Colon. 

Wir spielen mit Veronika Eberle das D-Dur Violinkonzert von Mozart, außerdem die Sinfonie in B KV 319, ein Stück von David Fennessy, das Lyrisches Andante von Reger und am Ende die Abschieds-Sinfonie von Haydn: hinaus marschiert durch den Vorhang – jedesmal geöffnet von kundigen Händen.

Herzlich, ihr Bernhard Jestl. 

Erster Eintrag: Sonntag, 23. April 2017

Fotos: Sarah Louvion

Liebe Freunde,

soll man 24041 km fliegen, um 5 Konzerte zu spielen? Ja, soll man. Gut, auf der anderen Seite: In München fahre ich für 5 Konzerte zusammen nur 51 km mit dem Fahrrad, das sind 23990 km weniger. Doch von Anfang an:

Am Samstag, den 22. April fahre ich mit der Straßenbahn zu unserem Proberaum in der Amalienstraße, wo bald 25 Koffer sich türmen, denn proben wir vor dem Abflug nochmals zweieinhalb Stunden einen Teil unseres Programms. Später dann mit dem Bus nach MUC, mit dem Flugzeug nach MAD und mit einem anderen nach EZE (Buenos Aires Ezeiza). Jetzt wieder mit einem Bus zu unserem Hotel, mit dem Fahrstuhl empor und: fast genau auf die Minute 25 Stunden nach meiner Trambahnfahrt in München betrete ich das Zimmer im Hotel Panamericano. Sie werden es nicht glauben: exakt das gleiche Zimmer wie vor zwei Jahren, aber das ist unwesentlich.

Wesentlich ist die grandiose Stadt, in der wir uns befinden, und das Teatro Colon, in welchem wir zwei Konzerte spielen werden, gleich gegenüber. Wir müssen nur die Av. 9 de Julio überqueren, und schon sind wir da.

Aber lassen Sie mich zuerst einen Tag ausruhen, ich gehe frühstücken – es ist erst neun Uhr früh – dann etwas spazieren zur Plaza de Mayo und nach San Telmo, auch noch paar Töne im Hotel üben – nein, diese Aussicht aus dem Schwimmbad in der 20. Etage! Und am Montag ist unser erstes Konzert, von welchem ich bald berichten werde. Bis dahin müssen Sie sich bitte gedulden, wir sind hier ja auch noch fünf Stunden später dran.

Herzlich, ihr Bernhard Jestl. 

Trailer: Antrittskonzert Clemens Schuldt

Mit dem 1. Abonnementkonzert der Saison 2016/17, die unter dem Motto ›Reformation‹ steht, trat Clemens Schuldt am 13. Oktober 2016 sein Amt als neuer Chefdirigent des MKO an.

Der Trailer, gefilmt von Benedikt Schulte (Lichtbilder Filmproduktionen), gewährt Einblicke in den spannenden Probenprozess des Konzertprogramms aus Bachs Orchestersuite Nr. 4 BWV 1069, der Uraufführung von Clara Iannottas ›dead wasps in the jam-jar (ii)‹ und Beethovens Symphonie Nr. 3 op. 55 ›Eroica‹. In Gesprächen mit Clemens Schuldt und Orchestermusikern wird nochmal deutlich, wie sehr sich beide Seiten auf diese neue Ära freuen!

Anri Sala: ›The Last Resort‹

Nach dem Projekt ›The Present Time‹ für das Münchener Haus der Kunst im Jahr 2014, gibt es jetzt eine neue Zusammenarbeit des MKO mit dem albanischen Videokünstler Anri Sala. Im November hat das MKO in den Bavaria Studios zusammen mit der jungen belgischen Klarinettistin Annelien van Wauwe Salas neues Projekt ›The Last Resort‹ eingespielt. ›The Last Resort‹ nimmt Mozarts Klarinettenkonzert A-Dur KV 622 mit auf eine klangliche Reise nach Australien. Mozarts berühmtes Klarinettenkonzert entstand kurz vor dessen Tod 1791, eine Zeit, in der sich die Ereignisse überschlugen: das neue Gedankengut der Aufklärung stand in deutlichem Gegensatz zum Kolonialismus und der Errichtung mehrerer britischer Sträflingskolonien in Australien.

Anri Sala lässt in seinem neuen Projekt ein zentrales Werk der abendländischen Musikgeschichte mit der Kultur der indigenen australischen Bevölkerung verschmelzen. Das aufgenommene Konzert mit Annelien van Wauwe wird in Einzelstimmen zerlegt, deren tiefe Frequenzen durch von der Decke hängende Trommeln verfremdet werden – Mozarts Musik trifft so direkt auf die Musik der Aborigines.

Die Installation ›The Last Resort‹ wird nächstes Jahr in Sydney in einem Pavillon auf dem Observatory Hill zu erleben sein.  Weitere Infos u.a. zur Eröffnung der Installation in Sydney folgen in Kürze!

Zum Projekt ›The Present Time‹ im Haus der Kunst 2014 weiter lesen

On Tour: In Taiwan und China im Herbst 2016

Gemeinsam mit der Star-Klarinettistin Sabine Meyer und Reiner Wehle (Bassethorn) gastierte das Münchener Kammerorchester vom 31. Oktober bis 6. November mit einem Mozart- und Mendelssohn-Programm in Taiwan und China. Fünf Konzerten an sieben Tagen in unterschiedlichen Städten stellten das Ensemble nicht nur vor die Herausforderungen von engen Reiseplänen und akustisch unterschiedlichen Konzertsälen: wechselhafte Wetterbedingungen von 3 Grad und Schneeregen bis zu 30 Grad und Sommer, hierzulande unbekannte Verzögerungen wie eine 4-stündige-Flugverspätung wegen Smog und das wiederkehrende Problem des Transports von Instrumenten mussten gemeistert werden. Zum Ausgleich erlebte das MKO in jeder Stadt aufs Neue beeindruckende Konzerthallen und Kulturzentren sowie Konzerte vor ausverkauften Häusern und begeistertem Publikum.

Die Stationen der Tournee: 
31. Oktober: National Concert Hall Taipei
2. November: Wuhan Qintai Grand Theatre Concert Hall
4. November: National Centre for the Performing Arts Peking
5. November: Shenzhen Concert Hall
6. November: Xinghai Concert Hall Guangzhou

Wir freuen uns schon auf unsere nächste Tournee nach Südamerika im April 2017!

BMW Clubkonzert am 15. Oktober im Harry Klein


Auch in der Saison 2015-16 werden die ›BMW Clubkonzerte‹ fortgeführt. Erstmals wagte das MKO 2012 den Schritt in die Club-Szene: im renommierten Club ›Harry Klein‹ traf ein Kammermusikensemble des MKO  auf ein höchst aufmerksames jugendliches Publikum. Über die Jahre folgten weitere Auftritte im ›Bob Beaman‹ und erneut im ›Harry Klein‹ und es zeigte sich: Musik in entspannter und kommunikativer Atmosphäre erreicht sowohl Clubgäste als auch etablierte Konzertbesucher. Unter dem Titel ›BMW Clubkonzerte – zwei Orchester, zwei Clubs, zwei Abende‹ wird diese Tradition nun in Zusammenarbeit der Clubs mit dem Münchener Kammerorchester und den Münchner Philharmonikern fortgeführt. 

Das erste ›BMW Clubkonzert‹ der Saison 2015-16 fand am 15. Oktober im ›Harry Klein‹ statt. Wo normalerweise getanzt wird, erklangen Erwin Schulhoffs ›Fünf Stücke für Streichquartett‹ und Bryce Dessners ›Aheym‹ für Streichquartett mit Mario Korunic und Andrea Schumacher (Violine), Nancy Sullivan (Viola) und Bridget MacRae (Violoncello) vom MKO. Die Schlagzeuger der Münchener Philharmoniker, Sebastian Förschl, Stefan Gagelmann, Jörg Hannabach und Michael Leopold, spielten Giovanni Sollimas ›Millennium Bag‹, Steve Reichs ›Drumming‹ (Part I) und ›Music for Pieces of Wood‹.

 

Nächster Termin: 18. März 2016 im Bob Beaman

Mit freundlicher Unterstützung von BMW.

Antrittskonzert des neuen Chefdirigenten Clemens Schuldt

Antrittskonzert des neuen Chefdirigenten des MKO: Pauken und Trompeten in stattlicher Zahl müssen da schon sein. Und natürlich ist Bach gesetzt zum Auftakt einer ›Reformations‹-Saison. ›Bei einer andächtigen musique ist allezeit Gott mit seiner Gnaden Gegenwart‹, hat der Thomas-Kantor in seiner Bibel notiert. Für ihn galt das auch für weltliche Musik – so hat er Teile der grandiosen vierten Orchestersuite später in einer Weihnachtskantate wieder verwendet. Wenn es je eine Komposition gab, die der Instrumentalmusik völliges Neuland eröffnete, dann die Eroica, das erste veritable Ideenkunstwerk der Gattung Symphonie. Nichts Heroisches, sondern das bewusstseinshelle, skrupulöse Ergründen musikalischer Essenzialien zeichnet dagegen die Arbeiten von Clara Iannotta aus. Die Italienerin ist Preisträgerin der musica femina.

Donnerstag, 13.10.2016, 20 Uhr
Prinzregententheater

JOHANN SEBASTIAN BACH Bach Ouvertüre Nr. 4 D-Dur BWV 1069
CLARA IANNOTTA »dead wasps in the jam-jar (ii)«
Auftragswerk des musica femina münchen e.V. für das MKO – URAUFFÜHRUNG
***
LUDWIG VAN BEETHOVEN Symphonie Nr. 3 Es-Dur op. 55 ›Eroica‹

19.10 Uhr Konzerteinführung mit Oswald Beaujean und Clemens Schuldt.
Mit freundlicher Unterstützung des Freundeskreises des MKO.

Das Konzert wird mitgeschnitten und am 20.Oktober ab 20:03 Uhr im Programm BR-Klassik gesendet.
Der Kompositionsauftrag an Clara Iannotta erfolgt im Rahmen einer Zusammenarbeit des MKO mit dem musica femina münchen e.V.

Pressestimmen:
»Der Dirigent hat die Münchner sofort für sich eingenommen« R. Brembeck, Süddeutsche Zeitung
»Die Beethoven-Aufführungen des Münchener Kammerorchesters hatten schon immer eine eigene Qualität. Diese energiegeladene, klare, präzise und zugleich risikofreudige Aufführung wird noch lange im Gedächtnis bleiben.« R. Braunmüller, Abendzeitung

ECHO Klassik 2016 für François Leleux und das MKO

François Leleux und das Münchener Kammerorchester werden mit einem Echo Klassik 2016 ausgezeichnet. Die gemeinsame Aufnahme der ›Prince Esterházy Concertos‹ bei Sony Classical mit Werken von Haydn und Hummel gewinnt den renommierten Preis in der Kategorie ›Konzerteinspielung des Jahres (Musik bis inkl. 18 Jh.)‹. Schon auf der 2012 beim gleichen Label erschienenen CD ›Charme der Oboe‹ mit Werken von Cimarosa, Bellini, Vivaldi u.a. wurde der französische Ausnahmesolist von den Musikern des Kammerorchesters rund um Konzertmeister Daniel Giglberger begleitet.

Seinen ersten ECHO erhielt das MKO 2012 für die Einspielung des Fauré-Requiems mit dem Chor des Bayerischen Rundfunks, die in der Kategorie ›Chor/Ensemblemusik 18./19. Jahrhundert‹ prämiert wurde.

Die diesjährige ECHO-Preisverleihung findet am 9. Oktober im Konzerthaus Berlin statt und wird am gleichen Abend von 22.00 Uhr an vom ZDF übertragen.

In München werden François Leleux und das Münchener Kammerorchester am 27. September 2016 bei einem Konzert im Rahmen des Festivals ›Bartók for Europe‹ in der Allerheiligen Hofkirche zu erleben sein. Weitere Kooperationen sind bereits vereinbart.

NACHTMUSIK DER MODERNE 15|16

Komponistenporträt Andrzej Panufnik

Samstag, 25.6.16 | 22.00 Uhr | Pinakothek der Moderne, Rotunde

Einführungsgespräch mit Lady Camilla Panufnik und Alexander Liebreich

21.00 Uhr | Ernst von Siemens-Auditorium

Alexander Liebreichs letzte Nachtmusik in seiner Funktion als Künstlerischer Leiter des MKO stellt den Komponisten Andrzej Panufnik vor. Das Werk des Polen, der 1954 nach England auswanderte, weil er die künstlerischen Einschränkungen im Sozialismus nicht länger hinnehmen wollte, ist in Deutschland nach wie vor wenig bekannt. Panufniks kompositorischen Handschrift erscheint ebenso expressiv wie impulsiv. Dabei gehorchen seine Werke strengen Formplänen – häufig sind sie aus kleinen intervallischen Zellen heraus entwickelt.

In seiner Heimat bis dahin als führender Komponist seiner Generation hofiert, begann Panufnik im Exil noch einmal als völlig Unbekannter. Erst Ende der sechziger Jahre fanden seine Arbeiten auch international Beachtung. Das Violinkonzert von 1971 entstand als Auftragswerk für Yehudi Menuhin; Solist im Konzert in der Pinakothek der Moderne ist der junge russische Geiger Alexander Sitkovetsky, der gerade den Lincoln Center Emerging Artist Award gewann. Aus den frühen achtziger Jahren stammt »Arbor Cosmica«, eine Sammlung von zwölf kurzen Sätzen für zwölf Streicher. Eines der letzten Werke Panufniks ist das dritte Streichquartett – im Konzert interpretiert von Elissa Cassini (Violine), Rüdiger Lotter (Violine), Kelvin Hawthorne (Viola), Bridget MacRae (Violoncello). Der Untertitel des Streichquartetts, »Wycinaki«, spielt auf das traditionelle polnische Kunsthandwerk des Scherenschnitts an. Zu Beginn des Konzerts steht »Landscape« auf dem Programm.

In Zusammenarbeit mit dem Adam Mickiewicz Institut im Rahmen des Polska Music Programms.

SAISON 2016/17 – ›REFORMATION‹

REFORMATION

›Reformation‹ ist das Motto des Münchener Kammerorchesters für die Konzertsaison 2016/17. Der Bezug zum großen Reformationsjubiläum 2017 ist augenfällig und die Wirkungen und Ausprägungen des reformatorischen Gedankenguts auf die Musikgeschichte der letzten 500 Jahre werden in den Konzertprogrammen vielfältig reflektiert. Aber ›Reformation‹ ist für das MKO auch ein Thema, das die Haltung zum Musizieren an sich, die Entwicklung und Erweiterung des Repertoires und nicht zuletzt die Struktur des Orchesters selbst betrifft.

 

CLEMENS SCHULDT

Die ›Reformations‹-Saison ist die erste des neuen Chefdirigenten Clemens Schuldt beim MKO. Der gebürtige Bremer hat zunächst als Geiger in verschiedenen Orchestern, zuletzt in der Kammerphilharmonie Bremen, gespielt, bevor er sich ganz der Dirigentenlaufbahn zuwandte. Inzwischen gilt Schuldt international als einer der spannendsten jungen deutschen Dirigenten; die ersten beiden Dirigate beim MKO 2014 und 2015 waren für beide Seiten so erfreulich, dass das Orchester ihn im letzten Sommer einmütig zum Nachfolger von Alexander Liebreich gewählt hat.

 

Schuldt wird in seiner ersten Saison u.a. drei Abonnementkonzerte, zwei Komponistenporträts in der Pinakothek der Moderne und das Kinderkonzert leiten; insgesamt sind 15 Dirigate, in den nächsten Spielzeiten dann 18 Dirigate beim MKO vereinbart. Gleich im ersten Abonnementkonzert am 13. Oktober steht neben der vierten Orchestersuite von J.S. Bach und einer Uraufführung von Clara Iannotta die ›Eroica‹-Symphonie von Beethoven auf dem Programm – eine ideale Gelegenheit also, den neuen Chefdirigenten mit einer ›MKO-typischen‹ Repertoirebreite kennen zu lernen.

KÜNSTLERISCHES GREMIUM

Die wachsende Beteiligung von Orchestermusikern an programmatischen Entscheidungsprozessen als allgemein zu beobachtender Prozess ist beim MKO jetzt auch formal verankert: die Planung der ›Reformations‹-Saison lag erstmals in den Händen eines Künstlerischen Leitungsgremiums, dem neben dem Chefdirigenten und der Geschäftsführung (Florian Ganslmeier, Anselm Cybinski) auch zwei Orchestermusiker (Kelvin Hawthorne, Rüdiger Lotter) angehören, die jeweils auf die Dauer von zwei Jahren vom Orchester gewählt werden.

 

›ARTISTIC PARTNER‹ / ›IM FOKUS‹

Seit Jahren schon gehört es zum Profil des Orchesters, neben der Entdeckung neuer, junger Musiker und Komponisten vor allem auch nachhaltige künstlerische Partnerschaften zu entwickeln. Dies findet nun erstmals seinen konkreten Ausdruck: der Dirigent und Violinist John Storgårds leitet als ›Artistic Partner‹ das gerade im April begonnene, auf drei Jahre angelegte Projekt mit Haydns Londoner Sinfonien und den Solokonzerten von Györgi Ligeti und tritt daneben auch als Solist in der Nachtmusik mit Werken von Kaija Saariaho auf. Erneuert und intensiviert wird die Kooperation mit Jörg Widmann, der unter dem Titel ›Im Fokus‹ sowohl ein Abonnementkonzert im Prinzregententheater (u.a. mit Mendelssohns ›Reformations-Symphonie‹) als auch sein (nach 2003) zweites Komponistenporträt in der Pinakothek der Moderne leitet. Widmann ist darüber hinaus zu Gast beim neuen Kammermusikfest des MKO in der Villa Stuck; für die übernächste Saison arbeitet er an einer neuen Komposition für das Kammerorchester. Auch die Zusammenarbeit mit Alexander Liebreich wird in 2016/17 mit zwei Konzerten fortgeführt: er leitet ein Abonnementkonzert mit dem RIAS Kammerchor sowie das 11. Münchener Aids-Konzert, bei dem u.a. Sergey Khachatryan, Okka von der Damerau und Daniel Müller-Schott auftreten werden.

 

Weitere Informationen u.a. zu Konzerten des MKO und dem Musikvermittlungsprogramm siehe die Pressemitteilung Saison 16/17 Reformation zum Download

Das Puchheimer Jugendkammerorchester wurde schon so oft und mit so hochwertigen Auszeichnungen gewürdigt, dass man beinahe versucht ist, es als selbstverständlich anzusehen, dass dieses Streicherensemble aus 25 Jugendlichen von 11 bis 20 Jahren unter Leitung von Peter Michielsen am gestrigen Montag in Ulm den – alle vier Jahre stattfindenden – Deutschen Orchesterwettbewerb in der Kategorie Jugendkammerorchester gewonnen hat.


Um daran überhaupt teilnehmen zu können, musste sich das Orchester im November vergangenen Jahres zunächst einmal im Bayerischen Orchesterwettbewerb durchsetzen. Dort erreichten sie eine traumhaft hohe Punktzahl und zogen als einziger bayerischer Vertreter ihrer Kategorie in den deutschlandweiten Wettbewerb ein.

4500 Musiker nahmen am 9. Deutschen Orchesterwettbewerb teil. In der Kategorie ›Jugendkammerorchester‹ waren neun Bewerber aus neun verschiedenen Bundesländern angetreten und es ist ein fantastischer Erfolg für das PJKO, von einem derartigen Wettbewerb mit einem ersten Platz nach Hause zu fahren!


Die Jury würdigte den ›bestechend schönen Klang‹ des Orchesters und hob das vom Orchesterleiter Peter Michielsen zusammengestellte Programm mit Werken von Schubert, Tschaikowsky und Ginastera, als ausgesprochen anspruchsvoll hervor. Auch die fast sprichwörtliche jugendliche Frische und Leichtigkeit, das kommunikative, einander zugewandte Musizieren des Orchesters haben großen Eindruck hinterlassen.

(Lisa Buchner)

MKO beginnt Haydn/Ligeti-Projekt mit JOHN STORGÅRDS als ›ARTISTIC PARTNER‹

Mit dem kommenden Abonnementkonzert am 21. April 2016 beginnt das Münchener Kammerorchester eine auf drei Spielzeiten angelegte Reihe unter Leitung des finnischen Dirigenten John Storgårds. Die fünf Programme stellen insgesamt zehn der Londoner Sinfonien Joseph Haydns den Solokonzerten von György Ligeti gegenüber. Ergänzend werden zeitgenössische Werke zu hören sein, einige davon in Ur- oder Erstaufführungen.

Mit John Storgårds hatte das Orchester im Frühjahr 2013 erstmals sehr erfolgreich zusammengearbeitet. Bereits damals erstand die Idee, gemeinsam ein größeres Projekt über mehrere Spielzeiten zu realisieren. Die Auseinandersetzung mit den Londoner Sinfonien – Höhepunkt und Abschluss in Haydns sinfonischem Schaffen – stand seit langem auf der Wunschliste des MKO.

 

Das Repertoire des ersten Abends am 21. April 2016 im Münchener Prinzregententheater umfasst die Sinfonien Nr. 94 (Paukenschlag) und Nr. 100 (Militär) sowie das spektakuläre Hamburgische Konzert für Horn und Kammerorchester von Ligeti. Hinzu kommt It is pain flowing down slowly on a white wall für Akkordeon und Streicher, ein Stück des Dänen Bent Sørensen, dessen feinsinnige Theatralik aufs Schönste mit dem Humor Haydns und Ligetis korrespondiert. Solisten des Konzerts sind der Hornist Stefan Dohr und der norwegische Akkordeonist Frode Haltli.

Die beiden Programme im April respektive Juni 2017 werden Ligetis Violin-und Klavierkonzert vorstellen, zwei Gipfelwerke der zeitgenössischen Konzertliteratur, die enorme Ansprüche an die Ausführenden stellen. Die Solisten hierbei sind Renaud Capuçon und Kit Armstrong. Beide Abende werden wieder von Haydn-Sinfonien gerahmt; programmiert sind die Nummern 95, 96, 101 und 102. Des Weiteren vorgesehen sind Werke von Fabio Nieder und Christian Mason (Uraufführung).

 

Pressemitteilung zum Download

CLEMENS SCHULDT wird neuer Chefdirigent des MKO ab der Saison 2016/17

Clemens Schuldt wird neuer Chefdirigent des Münchener Kammerorchesters. Der 32-jährige gebürtige Bremer, der Alexander Liebreich nachfolgt, tritt sein Amt im Herbst 2016 an; sein Vertrag läuft vorerst bis 2019. Schuldt, selbst ausgebildeter Geiger, ist der fünfte Chefdirigent des 1950 gegründeten Ensembles von 28 festangestellten Streichern, die regelmäßig mit einem festen Bläserstamm zusammenarbeiten. 

 

›Am Ende eines langen und intensiven Findungsprozesses haben die Orchestermusiker Clemens Schuldt mit beeindruckender Mehrheit zu ihrem neuen Chefdirigenten gewählt‹, sagt Michael Weiss vom Orchestervorstand. ›In Werken von Mozart, Henze und Richard Strauss haben wir Schuldt als einen Künstler von höchster Kompetenz und mit einem brennenden Gestaltungswillen kennen gelernt, dessen genuin kammermusikalisches Partiturverständnis der Arbeitsweise des Orchesters unmittelbar entgegenkommt. Wir hatten dabei das Gefühl in Bereiche zu gelangen, in denen sich das gemeinsame Atmen von Dirigent, Musikern und Publikum ereignen kann.‹

 

›Es ist für mich eine große Ehre, eines der profiliertesten Kammerorchester als Chefdirigent leiten zu dürfen‹, kommentiert Clemens Schuldt seine Wahl. ›Mit Neugier habe ich stets die innovative Programmatik dieses Orchesters verfolgt und seinen energiegeladenen und stilistisch vielseitigen Musizierstil bewundert. Als Musiker, der selbst im Kammerorchester sozialisiert wurde, suche ich die Transparenz und Detailschärfe, die dieses Ensemble auszeichnen. Nach zwei gemeinsamen Konzerten spüre ich eine enge Verwandtschaft mit der Klangsprache des MKO und freue mich sehr auf sein aufgeschlossenes Publikum in München.‹

2010 Gewinner des Donatella Flick Dirigierwettbewerbs in London, hat Schuldt in Großbritannien mit Klangkörpern wie dem Philharmonia Orchestra, dem BBC National Orchestra of Wales und dem Scottish Chamber Orchestra gearbeitet. Ein Jahr lang war er Assistant Conductor des London Symphony Orchestra, was ihm die Arbeit mit Dirigenten wie Sir Colin Davis, Valery Gergiev und Sir Simon Rattle sowie die Leitung eigener Projekte mit dem Orchester ermöglichte. In Deutschland leitete er unter anderen das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin, das Radio-Sinfonieorchester Stuttgart, die Bamberger Symphoniker und die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen. Regelmäßige Tourneen führen ihn nach Japan und Spanien. Neben seiner Tätigkeit als Konzertdirigent nimmt die Arbeit an Opernhäusern einen zunehmend wichtigen Platz in Clemens Schuldts Kalender ein; so leitete er Produktionen in Gelsenkirchen, Mainz, Osnabrück und Innsbruck. Schuldt studierte Violine an der Musikhochschule Düsseldorf und hat in Orchestern wie der Kammerphilharmonie Bremen und dem Kölner Gürzenich-Orchester gespielt. Sein Dirigierstudium absolvierte er bei Rüdiger Bohn in Düsseldorf, bei Mark Stringer in Wien sowie Nicolás Pasquet in Weimar. 

Beim Münchener Kammerorchester wird Clemens Schuldt in der ersten Saison drei, später vier der insgesamt acht Abonnementkonzerte im Prinzregententheater dirigieren und Abende in der Reihe der monographischen Porträtkonzerte in der Pinakothek der Moderne sowie Kinder- und Sonderkonzerte betreuen. Die Education-Arbeit des Orchesters ist ihm ein besonderes Anliegen. Ebenfalls geplant sind Gastspiele, Tourneen und gemeinsame Aufnahmen. In Fragen der künstlerischen Planung wird dem Chefdirigenten ein vierköpfiges künstlerisches Gremium zur Seite stehen, dem zwei vom Orchester ernannte Musiker sowie die Geschäftsführung des MKO angehören. 

 

Alexander Liebreich, der 2006 die Leitung des Orchesters übernommen hatte, wird den Musikern über 2016 hinaus verbunden bleiben. So wird er die Münchner AIDS-Konzerte 2017 und 2018 dirigieren; für beide Spielzeiten ist überdies eine Fortführung der Kooperation mit dem RIAS-Kammerchor unter Liebreichs Leitung geplant.

 

Das Münchener Kammerorchester gilt als eines der vielseitigsten und stilistisch flexibelsten Ensembles seiner Art, in dessen Programmen zeitgenössische Musik – darunter zahlreiche Uraufführungen und Wiederaufführungen eigens beauftragter Werke – dramaturgisch spannungsvoll mit dem Kernrepertoire für Streichorchester und schlankes Sinfonieorchester in Dialog treten. Neben seiner überaus erfolgreichen Konzerttätigkeit am Heimatstandort München gastiert das Ensemble regelmäßig auf den bedeutenden Bühnen Europas, Asiens und Amerikas und tritt bei renommierten Festivals auf. Seine Aufnahmen erscheinen bei ECM Records und Sony Classical.

 

Gefördert wird das Münchener Kammerorchester vom Freistaat Bayern, der Stadt München und dem Bezirk Oberbayern. Hauptsponsor des Orchesters ist ECT / European Computer Telecoms AG, wichtigster Projektsponsor ist die BMW Group.           

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